Category: Schraubereien


Letztes Weihnachten hatte ich meiner Tocher versprochen, beim Aufbau Ihres geliebten – aber leider doch arg in die Jahre gekommenen – Fahrrads der Marke Raleigh zu helfen. Sie fährt das Rad nun seit etwa 12 Jahren, ohne dass großartig etwas daran gemacht wurde, und entsprechend lang war die Mängelliste.

Alt oder Neu?
Ursprünglich hatte ich nach einer Durchsicht der vielen vielen Mängel zu einem neuen oder gutem Gebraucht-Rad Rad geraten, bin rückblickend aber sehr froh, dass meine Tochter auf eine Reparatur bestanden hat – und wir uns gemeinsam an die Generalüberholung gemacht haben. Letztlich sind es ja solch gemeinsame Momente, an die man sich später einmal gern zurückerinnert.
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Wie man sieht, war die Aktion ein voller Erfolg – in doppelter Hinsicht: Denn das gemeinsame Schrauben war ebenfalls sehr schön 🙂

Nach und nach werde ich ein wenig zu den einzelnen Arbeitsschritten schreiben…
Folgendes wurde ersetzt bzw. überholt

– Schalt-/Bremshebel und Schalt-Züge:

– Bremsen (Klötze, Brems-Züge):

– Schaltwerk und Ausrichtung des Schaltauges:

– Kette und Kasette:

– Kurbelgarnitur:

– Tretlager:

– Vorder- / Hinterradfelge (Nabenlager / Freilauf Hinterrad):

– Schutzblech:

 

Kosten – etwa 150 Euro. Dabei wurden allerdings viele Teile gebraucht erworben.

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Das Flicken oder Wechseln eines Fahrradschlauches gehört zu den lästigen Routinen, mit denen jeder Radler immer wieder konfrontiert wird. Für mich war es die erste Reparatur, die mein Vater uns – mir und meinem Bruder – beibrachte. Denn natürlich hatte er keine Lust sich ständig selbst die Hände schmutzig zu machen 🙂

Letzten Sonntag, auf der gemeinsamen Heimfahrt vom Neujahrsessen, war es wieder einmal soweit – Das Rad meiner Schwägerin hatte einen Platten. Da sie das Rad am kommenden Morgen für die Fahrt zur Arbeit brauchte, bot ich ihr mit den Worten „das dauert keine 10 Minuten“ an, den Schlauch zu wechseln. Da sich nach Flicken & Einbau des Rades herausstellte, dass auch das Ventil defekt war, habe ich dann leider alles nochmal machen müssen, um einen neuen Schlauch einzuziehen – Da beim zweiten Schlauchwechsel auf magische Weise jeder Handgriff saß, hat die Aktion weniger als vier Minuten gedauert – persönlicher Rekord!

Über die Jahre habe ich den Arbeitsgang immer weiter perfektioniert, so dass der Schlauchwechsel inzwischen nur noch eine Minutensache ist. Die Hände macht man sich freilich immer noch schmutzig (außer man nutzt Latex-Handschuhe…).

Pflicht für einen schnellen und erfolgreichen Schlauchwechsel sind zwei oder drei Mantelheber, ein neuer Schlauch sowie ggf. Latexhandschuhe)

  1. Den neuen Schlauch soweit aufpumpen, dass er sich entfaltet (d.h. wie ein Schlauch aussieht)
  1. ACHTUNG: Soll das Hinterrad gewechselt werden, muss bei dem defekten Rad ggf. der „Service-Gang“ eingeschaltet werden. Bei SRAM-Narbenschaltungen ist das der 1 Gang, bei Kettenschaltungen nehme ich immer hinten das kleinste Ritzel (d.h. den größten Gang)
  1. Das Fahrrad vorsichtig auf den Kopf stellen, Schnellspanner lösen und das defekte Rad entnehmen (bei Narbenschaltung vorher die Mechanik lösen und abnehmen, bei einer Kettenschaltung einfach beim entnehmen den Arm des Schaltwerks leicht nach hinten ziehen).
  2. Die Mutter zur Fixierung des Ventil abdrehen. Direkt über dem Ventil dann den Mantel mit einem Mantelheber anheben und über den Felgenrand ziehen. Anschließend die Nut im Mantelheber hinter eine Speiche klemmen, um ihn zu fixieren. Mit einem zweiten Mantelheber etwa zwei Handbreit weiter links ebenfalls den Mantel anheben. Normalerweise kann man nun mit dem zweiten Mantelheber einmal um die Felge fahren, und den Mantel komplett über den Felgenrand zu heben.
  3. Direkt über dem Ventil drücke ich den Mantel wieder über die Felge und den Schlauch hinweg und ziehe dann das Schlauchventil aus dem Loch. Nun kann der gesamte Schlauch einfach aus dem Mantel gezogen werden.
  4. Bevor der neue Schlauch eingelegt wird, kontrolliere ich das Mantelinnere auf Dreck oder Beschädigungen, welche den Platten verursacht haben können (meist findet sich aber nichts). Außerdem kontrolliere ich, ob der Mantel noch weiter verwendet werden kann oder ebenfalls getauscht werden sollte.
  5. Der neue (leicht!) aufgepumpte Schlauch wird nun in den Mantel gelegt: Dazu heben ich den Mantel über dem Ventilloch wieder über den Felgenrand, stecke des Ventil durch das Loch, und hebe den Mantel wieder zurück über den Schlauch. Nun lässt sich der Schlauch einfach und faltenfrei in den Mantel legen!
  6. Ausgehend vom Ventil hebe ich nun den Mantel mit eingelegtem Schlauch nach und nach zurück über den Felgenrand – dabei darauf achten, dass der bereits eingelegte Mantel nicht wieder von der Felge rutscht. Ich setze mir dazu das Rad auf die Oberschenkel, und hebe links (mit der linken Hand) und rechts (mit der rechten Hand) gleichzeitig den Mantel zurück in die Felge. Das letzte Stück erfordert etwas Kraft – oder wieder einen Mantelheber.
  7. Nun wird noch kontrolliert, ob nicht versehentlich etwas Schlauch und den Mantelrand geraten ist. Dazu drücke ich zunächst das Ventil in den Mantel und ziehe ihn wieder zurück (…und schraube es danach die Mutter wieder drauf), dann wird der Mantel entlang der Felge zusammengedrückt, um zu prüfen, ob eventuell der Schlauch darunter hervorschaut.
  8. Nun kann das Rad wieder eingebaut werden – beim Vorderrad muss dabei auf die Laufrichtung des Mantelprofils geachtet werden, beim Hinterrad ziehe ich wieder den Arm des Schaltwerks zurück, um das Rad einsetzten zu können. Eventuell muss der Mantel zusammengedrückt werden, damit er an den Bremsbacken vorbei passt.
  9. Vor dem Festziehen des Schnellspanners und dem Aufpumpen muss kontrolliert werden, dass das Rad grade eingesetzt wurde.

—> Bilder zur Illustration werde ich dann beim nächsten Schlauchwechsel nachreichen 😉

Heute bin ich im Keller bei meinen Magura-Bremsen gewesen. Einerseits, um wegen einer anstehenden Radtour im Harz – und insbesondere den Brocken hinauf, nochmal eine Sichtung vorzunehmen – vor allem aber, da ich auf der letzten Trainingsrunde bemerkt habe, dass die Vorderbremse ein wenig schleift. Bei Hydraulik-Bremsen ist so etwas extrem ungewöhnlich, da die Bremsbelege ja hydraulisch – via zweier fest montierter Kolben – auf die Felge gedrückt werden. Ein sofortiger Stopp zeigte mir, dass der linke Bremsklotz viel zu dicht an der Felge saß, und sich hier etwas Dreck festgesetzt hatte.

Da die Wartung – besonders der etwas älteren Modell nicht ganz einfach ist, hier mal keine kurze Beschreibung zur Justage der Magura HS11 (ältere Modelle vor 2000)

An meinem Rad sind die recht bekannten (und sehr sehr guten!) Magura HS11 montiert. Allerdings eine uralte Baureihe – ich schätze von 1998. Die Wartung gestaltet sich bei diesen älteren Modellen erheblich fummeliger, als bei den aktuellen Modellreihen, hier müssen Bremswinkel- abstand und -höhe gleichzeitig am gelösten Kolbengehäuse justiert werden. Das erfordert ein wenig Übung – besonders auf der Seite mit der Spannvorrichtung zum Entfernen der Bremse. Da ich schon einige Erfahrungen mit noch älteren Magura-Brems-Systemen habe, lief die Wartung aber recht reibungslos. Dabei gehe ich (auf beiden Seiten) folgendermaßen vor:

  1. An denCantilever-Sockel befindet sich eine Stellschraube, auf welcher das Bremskolben-Gehäuse sitzt. Diese wird ggf. gelöst, um die Höhe, in welcher der Bremsbelag auf die Felgenflanke drücken soll, einzustellen. Als Orientierungspunkt dient dafür die Mitte des Bremsbelags.
  2. Außerdem ist zu kontrollieren, ob Bremskolben bzw. Bremsbelag parallel zur Gabel bzw. zur Felge stehen, damit auch mit dem ganzen Belag (und nicht nur mit der Kante) gebremst wird. Ggf. also das Kolbengehäuse in Richtung Felge bzw. Gabel verschieben. Dann kann die Stellschraube wieder angezogen werden (ca. 6 NM)
  3. Obere Klemmschraube des Bremskolben-Gehäuses lösen. Erstens sollte nun der Abstand des Bremsbelages zur Felgenflanke eingestellt werden. Während man bei den neuen Modellreihen einfach die Bremse zieht, um auf diese Weise den ganzen Kolben nach außen aus dem Kolbengehäuse zu drücken (bzw. mit der Hand wieder hineinzudrücken), ist es bei den alten Modellreihen erheblich umständlicher: Hier sitzt der Kolben in einer Gummimanschette, welche sich in das hohl ausgeformte Kolbengehäuse schmiegt. Zieht man hier zu stark die Bremse, kann die Manschette aus dem Kolbengehäuse gedrückt werden. Besser ist es daher, die Klemmschraube ganz zu lösen, den Kolben herauszunehmen und die Manschette per Hand in die richtige Position schieben. Danach wird der Kolben wieder in das Gehäuse eingesetzt. Wichtig: an der hinten sitzenden Kontermutter für die Klemmschraube befindet sich ein justierbarer Stift, welcher das Kolbengehäuse im richtigen Abstand zur Gabel hält – beim Zusammenschrauben darauf achten, dass er wirder an der Gabel anliegt.
  4. Bevor die Klemmschraube festgezogen wird, kann zweitens der Bremskolben selbt im bzw. gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden, damit der Bremsbelag optimal auf die Felgenflanke drücken kann (ggf. muss danach die Höhe des Bremskolben-Gehäuses nochmals nachjustiert werden). Abschließend wird die Klemmschraube mit 4–5 NM festgezogen.

Spätestens beim Kettentausch sollte man auch einen genaueren Blick aufs Schaltwerk werfen. Auch bei regelmäßiger Pflege kann es passieren, dass die beweglichen Teile schwergängig sind, oder die Schaltröllchen verdreckt sind oder nicht mehr richtig laufen. Hier können ein Lappen in Kombination mit dem einen oder anderen Tropfen Öl Wunder wirken…

Werkzeug:
Imbusschlüssel, Mantelheber (Kunststoff!), Pfeifenreiniger,
Lappen, Fett , Öl, eventuell Schraubenkleber

Für die Wartung ist es nicht nötig, das Schaltwerk vom Bowdenzug zu trennen. Allerdings sollte man es für eine Reinigung mit einem passenden Imbus vom Schaltauge (bzw. vom Rahmen) trennen. Nach dem Säubern und Ölen der beweglichen Teile das Schaltwerk wieder anschrauben. Nun kümmern wir uns um die Schaltröllchen…

Vorher
Schaltroellchen vorher klein Da sich die Lager von oberen und unterem Schaltröllchen unterscheiden, sollten beide Rädchen getrennt voneinenader gereinigt werden. Prinzipiell lasse ich die Lager in Ruhe, solange solange es nicht verdreckt oder schwergängig ist. Das obere Röllchen (Shimano) läuft auf einer Walze. Dadurch hat es seitwärts etwas Spiel, und die Kette kann beim Schalten leichter in die Ritzel gleiten. Links und Rechts hat das Rädchen jeweils eine Lagerkappe, die in einer Gummimanschette sitzt – Letzte muss sehr vorsichtig aus dem Röllchen gepult und gereinigt werden um Beschädigungen zu vermeiden. Am besten mit einem Küchentuch oder weichen Lappen reinigen.
Das Lager selbst ist bei besseren Produkten aus Keramik und kann einfach aus der Buchse gedrückt werden. Hier haben sich für die Reinigung Pfeifenreiniger bewährt.
Den groben verkrusteten Dreck auf dem Röllchen selbst kann man recht gut mit dem Mantelheber runterkratzen. Da dieser aus Plastik ist, vermeidet man eine Beschädigung des Röllchens.  Anschließend kommt das Röllchen in ein Marmeladenglas mit Reinigungsbenzin – oder es wird einfach eingefettet, und eine Zeit stehen gelassen, damit sich der Restschmutz lösen kann – in der Zeit kann man sich dem zweiten Röllchen widmen. Anschließend wird dann der letzte Dreck vorsichtig runterpoliert.

Nachher
Schaltroellchen nachher klein Vor dem Zusammenbau werden die Lagerrillen,  in welche die Gummis kommen,mit etwas Fett abgedichtet – ebenso die Innenseite der beiden Lagerkappen. Hier wirklich nur sehr wenig Fett, da das Röllchen ansonsten schwergängig wird. In das Keramik-Lager kommt ein Tropfen Öl. Fett würde auch hier dazu führen, dass das Rädchen schwergängig wird.
Nach dem Zusammenbau werden abschließend die Röllchen selbst von Außen noch leicht abgefettet. Je sauberer das Röllchen ist, desto schwerer hat es der Schmutz, daran haften zu bleiben. Das Ergebnis der Wartung sieht man dann auf dem Foto links.

TIP: Beim Einbau können die Imbusschrauben mit einem Tropfen Schraubenkleber (mittelhart) präperiert werden, um ein herausdrehen der Schraube zu verhindern.

Sind die Schalträdchen zu sehr Beschädigt – oder man hat das Lager bei der Wartung ruiniert – sollte man beim Neukauf auf die Qualität des Lagers achten. Keramik-Lager sind am härtesten und haben somit den geringsten Verschleiß. Wichtig ist außerdem, darauf zu Achten dass die Röllchen zum eigenen Schaltwerk-Modell passen (z.B. gibt es Versionen mit 10 und mit 11 Zähnen) – im Zweifel den Händler fragen.
Wie fasst bei allem im Fahrrad-Bereich sind auch hier nach oben kaum finanzielle Grenzen gesetzt – ich habe schon Schaltröllchen aus Titan für 160 € gesehen! Da der Verschleiß dieser Bauteile aber sehr gering ist reichen hier nach meiner Meinung auch „einfache“ Produkte mit Keramik-Lager, die für ca. 15 € (Paarpreis) zu bekommen sind.

Lockeres Schaltauge

Der Frühling naht, und es wird höchste Zeit, die notwendigen Wartungsarbeiten am Rad durchzuführen.

Ganz oben auf der Liste stand der Austausch einer festgefressenen und rundgedrehten Schraube, welche das Schaltauge am Rahmen befestigt. Diese Konstruktion soll den Rahmen schützen, wenn das Rad unglücklich auf das Schaltwerk fällt, da dann nicht der Rahmen bricht oder verbiegt, sondern nur das austauschbare Schaltauge.

Genau das ist mir bei unserer letzten Radwanderung entlang des Elberadweges passiert. Dabei blieb das Schaltauge zwar unversehrt, aber die Befestigungsschraube für das Schaltauge hat sich gelockert. Leider ließ sie sich aber nicht herausdrehen, da der Vorbesitzer des Rades sie komplett rundgedreht hat. Hier mal ein Bild der rundgenudelten Imbusschraube:Schaltauge klein

Nachdem ich zwei Tage lang geduldig und regelmäßig die komplett rundgedrehte Imbus-Schraube des gelockerten Schaltauges mit WD40 bearbeitet habe, konnte ich sie nun heute endlich lösen, indem ich die Mittelachse auf einen festen Untergrund fixiert habe und dann einen 2,5er Imbus in die Schraube eingeschlagen habe.

Glück gehabt – denn ich stellte nach dem herausdrehen fest, das die Schraube zusätzlich mit blauem Schraubenkleber (mittelhart) fixiert war, der normalerweise erst bei hohen Temperaturen > 70 Grad weich wird! Sollte ich also wieder einmal in die Verlegenheit kommen so eine Schraube lösen zu müssen, würde ich vorher den Rahmen mit einem Föhn auf Temperatur bringen.